Gesehen: SHERLOCK HOLMES!

Sherlock Holmes ist wieder da! Nach langer Abstinenz von der Kinoleinwand, gibt er nun sein Comeback.

Wieder mit dabei, ist natürlich sein guter Freund und langjähriger Mitbewohner Dr. Watson. Außerdem gibt es kleine und größere Cameos von anderen bekannten Holmes-Figuren, wie dem Scotland Yard Inspector Lestrade und der Haushälterin Mrs. Hudson. Auch die weibliche Hauptfigur im Film, Irene Adler, ist im Sherlock Universum keine Unbekannte. Ist sie doch einige der wenigen Menschen auf dem Erdenrund, die es mit Holmes Fähigkeiten aufnehmen kann. Sie taucht bereits in der ersten veröffentlichten Sherlock Holmes Kurzgeschichte „Ein Skandal in Böhmen“ auf.

In der neuen Kinoversion von Regisseur Guy Ritchie ist alles schneller und dreckiger geworden, als in früheren Variationen des Holmes Themas, in denen es eher gemächlich und viktorianisch zurückhaltend zuging. Allerdings ist der befürchtete komplette Bruch mit den Wurzeln der Figur ausgeblieben. Er hat sich zwar ein wenig verändert, der gute „consultant Detective“, aber im Ganzen betrachtet, erkennt man ihn doch wieder. Er brilliert auch hier, mit seinem überragenden Verstand und seiner blitzschnellen, hochgradig analytischen, Auffassungsgabe. Hinzugekommen sind allerdings einige recht menschliche Regungen, wie offensichtliche Eifersucht und Mißgunst, die dem vormals fast unmenschlich kühl erscheinenden Holmes eine bodenständigere Facette geben. Das nimmt ihm allerdings auch ein klein wenig von seiner Faszination. Dass er den Drogen nicht abgeneigt ist, und auch durchaus Faustkämpfe für sich zu entscheiden vermag, ist hingegen nichts Neues. Das wurde bereits in den literarischen Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle beschrieben. Und es ist schön zu sehen, dass sich Holmes, in Zeiten wo er keinen aktuellen Auftrag zu bearbeiten hat, in Langeweile und extremen Müßiggang verliert, so wie es auch vielen modernen Freiberuflern ergeht, wenn sie nichts zu tun haben. 😉 Aber wenn dann ein neuer Fall ansteht – wohlgemerkt nur einen, den Holmes als Herausforderung ansieht – dann gibt es kein Halten mehr! The game is afoot!

Der Film lebt vor allem von der Kunst seiner beiden Hauptakteure, Robert Downey Jr. als Holmes und Jude Law als Watson, die sich sehr spielfreudig die Bälle zuwerfen. Sehr schön sind alle Szenen, wenn sich die beiden wie ein altes Ehepaar streiten. Wurde Dr. Watson, in früheren Inkarnationen, häufig als alter, fast grenzdebiler, Stichwortgeber für Holmes verheizt, so hat er hier die Rolle eines – fast- gleichwertigen Teamkollegen bekommen. Der „junge“ Watson ist fit und kann es mit seinen Gegnern, in den wilden Prügeleien quer durch den Film, genauso gut aufnehmen wie Holmes.

Die Ausstattung ist opulent und das London am Ende des 19. Jhds. wird als eine kalte, düstere und dreckige Metropole gezeichnet. Manchmal fallen einem die künstlichen CGI- Totalen etwas unangenehm auf, aber damit muss und kann man in diesem Fall leben.

Die Musik von Hans Zimmer ist für seine Verhältnisse eher ungewöhnlich. Anstatt die prägnanten Zimmer-Hörner schmettern zu lassen, liefert er eine aussergewöhnliche   Soundcollage. Bestehend aus den Klängen einer speziellen Zither, verstimmten Klavieren, Banjos und Zigeunergeigen, sowie einigen anderen gezupften und elektronisch verzerrten Saiteninstrumenten. Das passt sehr schön zum ohnehin skurrilen Gesamteindruck des Settings, nutzt sich aber dann leider auch sehr schnell ab, und man wünscht sich bald, dass noch eine andere Farbpalette hinzutreten möge, was aber nicht passiert.

Der Film lief bzw. läuft in den USA recht erfolgreich, was nicht unbedingt zu erwarten war, auch in Hinsicht auf die erdrückende „Übermacht“ von Camerons AVATAR. Deswegen hat man sofort mit den Vorbereitungen zu einem zweiten Teil begonnen, dessen Dreharbeiten  bereits in wenigen Monaten beginnen sollen! Aber eine Fortsetzung muss  es auch geben, denn im Laufe des Films wirft bereits eine weitere, sehr bekannte Figur des Sherlock Holmes Kanons, seinen finsteren Schatten voraus…! 😉

Fazit: SHERLOCK HOLMES ist ein gelungener Mix aus Mystery, Crime und Abenteuerfilm. Allerdings  hängt der Streifen manchmal kurzzeitig etwas durch. Der Bruch mit dem „Original“ Holmes ist weit weniger radikal und alles viel weniger Action-lastig, als man nach den Trailern vermutet hätte. Und das ist auch gut so, denn so bleibt immer noch genug Platz für das Flair des viktorianischen Settings, und Meisterdetektiv Sherlock Holmes kann seine ganze Kunst entfalten.

Nicht DER Überflieger, aber unterhaltsam und eindeutig empfehlenswert! Steigerungen im 2. Teil sind wünschenswert und durchaus möglich, ich bin gespannt!

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